Gründung der Tischtennisabteilung

 

Entstehung unserer Tischtennisabteilung (Manfred Bönisch erinnert sich)

Ich entsinne mich noch sehr gut, als wir uns am 25.2.1966 in der damaligen "Sportplatzbarracke" trafen, um über eine etwaige Gründung einer Tischtennisabteilung zu beraten. Viele von uns hatten ja schon oft in der "Pfarrscheuer", in der "Schulsiedlung" oder im "alten Schulhaus" Ping-Pong gespielt und nun tat sich für uns, bedingt durch den Bau der "Kornberghalle", die einmalige Chance auf, eine eigene Abteilung zu gründen. Der damalige GSVim Vorstand, Hermann Munk, gab seiner Freude Ausdruck, daß nun der GSV wohl einen neuen Sprößling, die Abteilung Tischtennis ins Leben rufen könne. In gewohnt gekonnter Manier rannte er bei uns offene Türen ein, als er mit zündenden Worten davon sprach, wie ihm Tischtennis gefalle, von der Schönheit des Spiels, von dem fairen Kampf Mann gegen Mann an der Platte, ein Spiel also, das Taktik, Technik,Können und blitzschnelle Reaktionen erfordere und trotzdem kaum Verletzungsgefahren berge.

Gebannt hörten wir zu, und wir alle merkten, hier sprach der Fachmann, einer von uns. In Gedanken sahen wir uns schon (mindestens) als Deutsche Meister. Ich hatte seither noch gar nicht gewußt, daß unser Vorstand Tischtennis spielte. Die Realität holte uns dann allerdings sehr schnell wieder ein, als es darum ging, einen Abteilungsleiter zu finden. Jeder hielt sich selbst natürlich für viel zu dumm, zu kränklich (mußte vor einem halben Jahr dreimal hintereinander niesen), hatte zwei linke Hände, war der wichtigste Mann in der Firma (noch knapp vor dem Chef) und war auch sonst nicht gesund. Mir ging es natürlich genauso wie allen anderen, nur noch schlimmer, jeder schlug jeden vor (auf diese Art finden wir übrigens auch heute noch unsere Abteilungsleider, es geht schon über zwanzig Jahre gut; ich glaube, wir behalten diese bewährte System weiterhin bei).

Nach heißen Debatten es nach rund zwei Stunden so weit, daß uns unser Vorstand noch zehn Minuten Bedenkzeit zwecks Gründung einer Abteilung gab. Wenn wir jetzt keinen Abteilungsleiter fanden, war Tischtennis in Dürnau wohl für immer passé, da sich ja auch andere Vereine und Abteilungen um Trainigszeiten in der "Kornberghalle" bemühten.Knapp vor Ende des Ultimatums, als wohl alle Tischtennis spielen wollten, jedoch keiner die Bürde des Abteilungsleiters auf sich nehmen wollte, wandte sich unser Vorstand Hermann Munk letztmals an mich mit den sinnigen Worten "Mensch, Manne, jetzt mach's halt, Du hosch doch sonst au a großa Gosch". Diese Worte überzeugten mich, ich ließ mich aufstellen und wählen. (Der Hermann war schon ein rechtes Schlitzohr, denn als wir anschließend unsere neue Abteilung beim ....gsten Bier begossen, ergab sich folgender Dialog:

M.: "Hermann, i bräucht von Dir no a Paßbildle"

H.: "Ja, worom von mir?"

M.: " Ha, Du hosch doch vorher gsaid, daß Dir Tischtennis so gfällt, noch

willscht bestimmt doch amol in der Mannschaft spiela."

H.: " Oh je Manne, i han no nie en Schläger en dr Hand ghet, mit mir wäret

ihr bschissa, i bleib liaber beim Fußball. Woisch, des därfscht et älles so

eng seha. Ganz onder ons, i dät saga, i gib Euch a halbs Johr, vielleicht

au a Johr. Aber auch wenn's schief ging, a paar Mitglieder bleibet

bestimmt für da Verein hänga ond no hot sich's scho rentiert. Aber mer

darf et älles bloß immer glei schwarz seha, vielleicht gohts au guad.

Komm, jetzt trenket mer ane Schluck, daß z'Bier et lack wird."

Den "Schluck" hab ich dann "ex" getrunken und noch einen Magenbitter dazu.

Nun ging die Arbeit los. Es zeigte sich gar bald, was eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft wert ist. Julis Klein, Eduard Muser, Erich Schäufele, Hermann Strähle und Hermann Witzel, die schon seither in der "alten Schule" trainiert hatten, standen uns mit Rat und Tat zur Seite und gaben uns manchen wertvollen Tipp. Von Malermeister Jakob Strähle bekamen wir kostenlos eine gebrauchte Tischtennisplatte zur Verfügung gestellt und als unser leider allzu früh verstorbener Sportkamerad und Abteilungsleiter der Turner, Robert Schleicher, von unseren Problemen erfuhr, war die nächste Platte da. Auch Herr Seyfang von der Firma " Gral-Glas" ließ sich nicht lumpen und erlaubte uns, auf seine Kosten eine neue Platte zu bestellen. Zusammen mit der vom Hauptverein gestellten, konnte nun der Trainingsbetrieb beginnen. Da der Zulauf sehr rege war, sammelten wir kurzentschlossen untereinander und mir stand die Ehre zu, bei der Firma Weber -Holzhandel in Göppingen- für das wenige Geld eine weitere Platte halb zu erbetteln. Die Firma zeigte sich großzügig und wir besaßen Nummer fünf, allerdings hätten wir ohne unser Vereinsmitglied Karl Hiller noch schlecht ausgesehen, denn es fehlte ja noch die Farbe und die weißen Linien. Unser Karle machte kurzem Prozeß, er strich die Platte, zog genau und sauber die Linien und von einer Bezahlung der Farbe wollte er auch nichts wissen. Wir waren froh darüber.

Nun, da wir Halle, Platten, Netze, Schläger und Bälle hatten, war uns klar, daß die übrige Tischtenniswelt nur noch auf uns wartete. Um ehrlich zu sein, unsere spielerische Leistung war wohl noch etwas besch....eiden, dafür hatte jeder ein andersfarbiges Trikot an. Stolz meldeten wir dem Verband unsere erste aktive Mannschaft in folgender Aufstellung:

Theo Adamczyk, Manfred Bönisch, Wolfgang Brunner, Josef Gaschler, Ernst Gruber, Kurt Joos.

Da wir vom Spielablauf natürlich keine Ahnung hatten, war es uns sehr recht, daß wir zuerst auswärs spielen mußten. Frohgemut fuhren wir nach Rechberghausen und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Als der gegnerische Spielführer um Ballruhe bat, uns recht herzlich begrüßte und als Neulinge willkommen hieß, die Mannschaftsaufstellung bekannt gab und dem Spiel einen fairen und spannenden Verlauf und dem Besseren den Sieg wünschte, war mir als Mannschaftsführer der Gäste klar, daß ich mich nun zu revanchieren hatte. Ich trat einige Schritte vor und bedankte mich namens unserer Mannschaft für die herzliche Begrüßung, die uns als Neuling zuteil geworden war und beendete meine Rede mit einem dreifachen "Hipp-hipp"meinerseits, während sich unsere Mannschaft jeweils durch ein kräftiges "Hurra" ihrerseits der Situation gewachsen zeigte. Sogleich bemerkten wir in den Gesichtern unserer Gegner, daß wir wohl die richtige Tonart getroffen hatten, denn sie grinsten alle sehr freundlich. Als ich mit nach Beendigung der offiziellen Begrüßung nochmals an den anderen Mannschaftsführer wandte, meinte dieser lächelnd, daß es ihm in seiner zwanzigjährigen Spielzeit noch nicht vergönnt gewesen sei, mit "Hipp-hipp-hurra"-Rufen begrüßt worden zu sein. Na ja, jeder fängt eben mal klein an, heute wissen wir, wie der Hase läuft.

Inzwischen hat sich natürlich manches verändert. Ich wurde nach einigen Jahren als Abteilungsleiter von Walter Kurz abgelöst, ihm folgten Fritz Grupp, Benedikt Göbel, Gunther Weyrich, nochmals "Bene" und nun Günther Papp. Auch wurden zwischenzeitlich 9 Mannschaftengemeldet. Da sich hierbei (Gott-sei-Dank) sehr viele Jugend- und Schüler/innen-Mannschaften befinden,brauche ich Ihnen wahrscheinlich nicht zu sagen, wie viele ehrenamtliche Helfer in Form von Jugendleiter, Trainer,Betreuer und Fahrer/innen benötigt werden, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Ich glaube sagen zu können, daß die Abteilung Tischtennis inzwischen ein voll integrierter Bestandteil des GSV geworden ist. Wenn aber vor hundert Jahren nicht unsere Sängervorfahren einen Gesangverein gegründet hätten, wer weiß, ob es unsere Abteilung dann heute gäbe. Wer weiß??

(Dieser Bericht wurde im Jubiläumsjahr 1991 (25 Jahre Tischtennis) in der Jubiläums-Zeitschrift veröffentlicht)

G.Papp 25.10.2007